2010-10-11
Pursuit of Happiness
Sind wir in unserer Gesellschaft eigentlich schon so weit, dass wir in jeder Lebenssituation meinen, es wird eh nicht lange halten? Warum sagen wir Pärchen 'Viel Glück euch beiden!'. Immer wieder lese ich jenen Spruch unter Bildern von glücklichen, sich küssenden und liebkosenden Pärchen. Es ist, als wäre es Glückssache ob eine Beziehung hält oder nicht, reiner Zufall, mehr nicht. Dabei könnten wir doch immer etwas daran ändern oder Einfluss drauf nehmen ob es funktioniert oder nicht. Oder vielleicht können wir gerade DAS nicht und es Bedarf wirklich eine Menge Glück, was diesen Ausspruch schon gerechtfertigt macht. Vielleicht bedeutet dieses 'Viel Glück' auch nur, dass man den 'Liebenden' haufenweise Serotonin, Oxytocin, Endorphine und Dopamin wünscht, welche ja allgemein bekannt sind als die für glückliche Empfindungen zuständingen Neurotransmitter.
Der Ausspruch 'Viel Glück euch beiden!' kommt in meinen Augen jedoch einem 'Ich drück dir die Daumen!' im Weitsprung sehr gleich. Für beides ist es eigentlich keine Glückssache, wie Lotto, sondern eine Sache des Trainings und der Ausdauer und Verbissenheit. Wenn man so leger an Beziehungen rangeht, wie manche mit Weitsprung ist es ja wohl klar das man irgendwie versagt, es sei denn man hat Talent oder 2m lange Beine und gesunde Knie (im Beziehungstechnischen wäre es dann ein großer Penis und dicke Titten z.B. Da würd ich mir das 'verlassen' überlegen).
Da stellt sich mir nur die Frage: Was wünscht man den Turteltäubchen stattdessen?
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Ich denke, "Glück" bezieht sich schon eher auf die Empfindung, auf "glücklich sein" also, nicht auf "Glück haben". So im Sinne des Kallwas'schen "Ich wünsche Ihnen alles Gute!" eben. So gesehen ist der Ausspruch nur einfach saudumm formuliert, aber vielleicht finden die Leute diese überragende Zweideutigkeit auch superlustig. Wer weiß!
AntwortenLöschenAnders gesehen kannst Du schon trotzdem Recht haben. Ich find' den Vergleich zum Weitsprung, obwohl er wahrscheinlich eher willkürlich gewählt war, ziemlich passend. Man wünscht zwar schon dahingehend Glück, daß kein Unglück (haha) passiert, daß der Sprung also unter bestmöglichen Bedingungen für den Beglückwünschten stattfindet, aber vor allem wünscht man, daß die erbrachte Leistung zu einem befriedigenden Ergebnis reicht - vor allem im Vergleich zu den anderen Teilnehmern. Die werden nämlich oft vergessen, auch und gerade in vermeintlich glücklichen Beziehungen, um mal den Bogen wieder zurück zu schlagen, das hab' ich mittlerweile mehr als einmal feststellen dürfen. Nicht an mir, glücklicherweise, aber doch im näheren Umfeld. Vielleicht ist es ja meine Aura der Misanthropie, die die Leute zum plötzlichen Überdenken ihrer Beziehungen bringt (vor allem die Frauen, möchte ich mal angemerkt wissen!), aber ich glaube, das ist eher eine Problem von Fehlplanung. Es ist unwahrscheinlich, daß es nur genau den Einen gibt, und noch weniger wahrscheinlich ist, daß man ihn schon so relativ jung kennenlernt und dann vor allem bis zum Ende aller Tage behält. Da bringt dem armen Verlassenen dann auch nicht, wenn er ein spitzenmäßiges Training absolviert hat, wenn dann einer weiter springt als er. Trotz aller Mühe trotzdem nur zweiter Platz? Da spring' gar nicht erst mit. Oder wenigstens nicht in der Profiliga.