1) Horizontales Stretching (dt.: Horizonterweiterung)
Man bekommt manchmal im Leben Phasen, wo man sich denkt, dass man in den letzten Jahren, Monaten oder Tagen soviel verpasst hat, was man eigentlich noch tun wollte.
Von meiner Seite aus, machen sich diese Phasen meist bemerkbar nach einem frischen und abrupten Beziehungsabbruch. Es ist die Zeit in meinem seltsam gestrickten Organismus, wo ich aufblühe und mich Dingen widme, die ich schon lange nichtmehr getan habe oder schon immer tun wollte und, auch wenn diese Versuche dann irgendwann meist kläglich scheitern weil irgendein Faktor ins Leben getreten ist, bringen sie mein fantastisches Singledasein etwas in Schwung.
Ich arbeite dann mich jedesmal auf dieses perfekte Singleleben zu und beginne mit total untypischen Sachen. Ich treibe Sport, ich probiere neue Musikrichtungen aus und versuche eines von jenen Geschöpfen zu werden, die ich immer höcht widerwillig aber innig bewundert habe. Diese Frau, die kulturell, sportlich, klug, witzig und charmant ist und einen Traumkörper hat und die ich, ein Essener Durchschnittsmädchen niemals sein werde. Aber man wird doch wohl noch träumen dürfen.
Natürlich tue ich schon das Beste dafür, aber joggen, Vogue lesen und Jazz hören reicht wohl nicht.
2) Frühlingsgeilheit (dt.: Frühlingsgefühle)
Frühlingsgeilheit ist nur ein nicht so romantisches Wort dafür, dass man flirten und 'Hüftkontakt' (ein fabelhaftes Wort, was ich irgendwann mal aufgeschnappt habe) haben will. Frühlingsgefühle drückt es auch nicht so perfekt aus, es gleicht bei den meisten Menschen meiner Umgebung mehr einem unbeugsamen Drang nach Abenteuer, jedoch nur soweit, wie es Partner zulassen. Durch meine wiedergewonnene, fabelhafte Freiheit bin ich durchaus bereit, mich ins Getümmel zu werfen und sich mal so auf dem 'Markt' umzuschauen.
Jedoch, als ich in Paris war, und dieses Thema hatte ich schon mit mehreren Freunden und besonders Freundinnen besprochen, ist mir aufgefallen, dass es dort soviel einfacher ist, sich der Frühlingsgeilheit hinzugeben. Hier in Deutschland herrscht die absolute Ansprech-phobie. Selbst wenn zwei Menschen sich hier sehen und eine starke Anziehung merken, schaffen sie es in den seltensten Fällen sich tatsächlich anzusprechen. Wir machen es uns hier unnötig schwer und meinen dies durch Elitepartner auszugleichen. Obwohl gerade jetzt, wenn die Pollen fliegen und die Sonne scheint, es doch so einfach sein sollte, der Angebeteten Avancen zu machen oder ihr ein Taschentuch anzubieten, wenn sie mal wieder niesen musste und selbst ein wenig Chance auf Frühlingsgeilheit zu versprühen und zu bekommen.
Übrigends macht mich meine Wii-Fit-Trainerin immernoch depressiv mit 'Stellen sie sich den Körper vor, den sie gerne hätten'.
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